Ein Urlaub im Bezirk Heraklion auf Kreta:

Wo Herkules einst den Stier einfing
Eine historisch begehrte Stadt auf einer strategisch günstig gelegenen Insel

Zwar existiert die sich seit 1915 von der Nord- bis zur Südküste erstreckende kretische Präfektur Iraklio (Nomós Iraklíou) nach über hundertjährigem Bestehen seit 2010 nicht mehr in dieser Form und wurde durch den etwa nur halb so großen Regionalbezirk Iraklio (Periferiaki Enotita Irakliou) verwaltungstechnisch ersetzt, selbstverständlich ist und bleibt Heraklion als die Hauptstadt der Insel mit ihren knapp 175 000 Einwohnern samt ihrer Umgebung aber das unumstrittene politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Kretas.

Die heute viertgrößte griechische Stadt, die im Lauf ihrer ereignisreichen Geschichte in der Vergangenheit vorübergehend auch schon die Namen Handax, Chandakas, Candia, Kandiye und Megalokastro trug, geht historisch auf einen Festungsbau arabischer Eroberer aus dem heute südspanischen Reich Al-Andalus um das Jahr 824 zurück. Das Gebiet Iraklion/Haraklions und seiner Umgebung diente dann bis zur Rückeroberung durch die Byzantiner im Jahr 961 als Kapitale des Emirats von Kreta, bis ins späte 11. Jahrhundert erfolgte eine stetige hellenische Besiedlung, nach kurzer lombardischer Eroberung gelangte die Stadt 1204 unter venezianische Herrschaft, die über 400 Jahre andauern sollte, und zu einer bislang beispiellosen Blütezeit sowohl Iraklion/Haraklions als auch ganz Kretas führte.

Griechische Besiedlung, venezianischer Wohlstand, osmanische Belagerung

Nicht zuletzt der in dieser Phase entstandene, und durch den Fall Konstantinopels im Jahr 1453 begünstigte regionale Bedeutungszuwachs und steigende Reichtum weckte bereits zu dieser Zeit beginnende territoriale Begehrlichkeiten aufseiten der aggressiv expandierenden Osmanen, diese sollten das damalige Candia schließlich vom Mai 1648 bis zum August 1669 über 21 Jahre zwar verlustreich, aber letztlich erfolgreich belagern, und sich mit dieser Ausdauer den zweifelhaften Titel der längsten Belagerung der Menschheitsgeschichte verdienen.

In der Folge trat Iraklion/Haraklion einige Bedeutung an die weiter westlich gelegene und heute mit gut 98 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Insel Chania ab, es sollte schlussendlich fast bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und der Ausrufung des autonomen Kretischen Staats (Kritiki Politia) im Jahr 1898 und den endgültigen Anschluss der Insel an Griechenland im Jahr 1913 dauern, bis auch Iraklion/Haraklion wieder zur alten Größe zurückfand, und sich dort seither die Geschicke Kretas größtenteils entscheiden.

Aufgrund der ethnisch bedingten Verfolgung nach dem Griechisch-Türkischen Krieg von 1919 bis 1922 gelangten im Jahr 1923 innerhalb kurzer Zeit gut 20000 Griechen von der der türkischen Ägäisküste auf die Insel und nach Iraklion/Haraklion, deren Ansiedlung in neuen, schnell errichteten Stadtteilen sollte auch beispielhaft für den Neuaufbau der Stadt nach den schweren Zerstörungen durch die deutschen Besatzer 1941 und nach dem Kriegsende 1945 bis weit in die 1960er Jahre sein.

Stetiges Wachstum, sicherer Status, städtische Neugliederung

In den folgenden Jahrzehnten und bis heute wuchs Iraklion/Haraklion nicht zuletzt aufgrund von Landflucht bis weit über seine ursprünglichen Stadtgrenzen hinaus, seit dem Jahr 1972 auch offizieller Verwaltungssitz von ganz Kreta, erfolgte 2011 wegen des mittlerweile sehr großen urbanen Gebiets eine Verwaltungsreform, bei der die bisherig zugehörigen Stadtteile und Viertel Iraklio, Voutes, Dafnes, Skalanio und Stavrakia mit den neu eingemeindeten und bis dato selbständigen Nachbargemeinden Gorgolainis, Paliani, Temenos und Nea Alikarnassos zusammengefasst wurden.

Die Stadt war auch schon vorher seit langer Zeit die eindeutige Nummer eins der Insel, hier befindet sich der größte Handelshafen und die wichtigsten Fährverbindungen über das Meer nach Piräus, Santorin, Milos, Sitia, Kassos, Karpathos, Chalki und Rhodos, auch der für den Tourismus und den Urlaub auf der Insel immens wichtige Flughafen „Nikos Kazantzakis" liegt unweit des Zentrums der Hauptstadt. Auch als Ausgangspunkt für Ausflüge aller Art, sei es in die Regionen der weiter oben bereits erwähnten ehemaligen Präfektur, in die nähere Umgebung innerhalb des aktuellen Regionalbezirks oder der gesamten Insel eignet sich die Stadt aufgrund ihrer zentralen Lage bestens, sowohl die Anbindung an die „New Road" in Form einer Autobahn als auch die zahlreichen nah gelegenen historischen Attraktionen, interessanten Landschaften sowie imposanten Städte und Naturdenkmäler laden dazu ein.

Heutzutage wird die gut 8300 Km² große Insel Kreta mit ihren ca. 625 000 Einwohnern im östlichen Mittelmeer jedes Jahr von etwa zwei Millionen Touristen besucht, genau wie der Rest Griechenlands hatte man jedoch auch dort in den letzten Jahren Probleme mit stark sinkenden Besucherzahlen, die sich jedoch wiederum auch in vielen sehr günstigen Angeboten für Kost und Logis niederschlagen.

Schöne Strände links und rechts der Stadt, nur einen Steinwurf entfernt

Schon direkt vor den Toren der Stadt, an den zahlreichen schönen westlichen und östlichen Stränden lässt es sich herrlich entspannen, baden und faulenzen, auch Wassersport ist fast überall möglich, die Versorgung mit Bars, Cafés, Restaurants und Tavernen in unmittelbarer Nähe zum Meer ist ebenfalls sehr gut, auch Unterkünfte in Form von Hotels, Pensionen, Ferienhäusern und Ferienwohnungen sowie Campingplätzen gibt es in großer Auswahl und in allen Kategorien.

Im Osten liegen etwa diejenigen von Xani Kokkini, der nur 5 Km entfernte von Amnissos, der benachbarte Strand von Amoudara, derjenige von Karteros, der 7 Km vom Zentrum entfernte, lange und breite Akti Beach bei Karteros, der auch mit dem Bus oder Taxi gut zu erreichen ist, der 12 Km entfernte, vor allem von jungen Leuten frequentierte Strand von Kokkini Hani, der knapp 20 Km entfernte, und mit der „Blauen Flagge" ausgezeichnete Analipsi-Beach mit seinen bekannten Sonnenuntergängen, der ebenfalls ausgezeichnete Strand von Kato Gouves, der Strand von Hersonisos, der gut 30 Km entfernte und touristisch geprägten Strand von Stalida sowie der Strand von Malia, der relativ unberührt ist und sich ganz in der Nähe der bekannten archäologischen Stätten befindet.

Auch rund um die gut 26 000 Einwohnerstadt Limenas Chersonisou finden sich viele schöne Strände, die vor allem von Familien gerne besucht werden. Im Westen wiederum genießen vor allem die Strände um das ca. 18 Km entfernte Fischerdorf Agia Pelagia einen sehr guten Ruf unter Urlaubern, dazu gehören etwa diejenigen von Mononaftis und Psaromoura, die Strände von Linoperamata, Paleokastro und Ligaria sind nicht minder empfehlenswert und liegen allesamt auf dem Weg dorthin.

Baden an den Küsten des Südens, der perfekte Tagesausflug auch für Wanderer

Auch an den Küstenabschnitten der Gemeinden Tymbaki, Mires, Gortyna, Kofinas, Asterousia, Arkalochori und Viannos an der Südküste der einstigen Präfektur Iraklio gibt es zahlreiche bewährte Strände, die bekanntesten dürfte diejenigen von Matala sein, wo früher Hippies und Prominente zum Teil in den steinzeitlichen Höhlen direkt über dem Meer lebten. Einen Badetag an der Südküste kann man auch perfekt mit einer Besichtigung der Agiofarango-Schlucht nahe der 6000 Einwohnerstadt Mires in der Kornkammer Kretas, der Messara-Ebene etwa 45 südlich von Iraklio verbinden.

Auf dem Weg dorthin liegt das majestätische Ida-Gebirge mit dem 2456 Meter hohen und häufig von Schnee bedeckten Gipfel des Psiloritis, auch die karge, aber imposante Nida-Hochebene und der vermeintliche Geburtsort des Gottes Zeus, die Idäische Grotte, befinden sich dort, weniger bekannt, aber ebenso beeindruckend ist die nach dem kleinen nahen Dorf benannte Kamares-Höhle, wo erstmalig die berühmte minoische Keramik gefunden wurde.

Mit einer maximalen Höhe von etwas über 1200 Metern folgt dann Richtung Süden das Asteroussia-Gebirge, in Richtung Südosten das gut 65 Km von Iraklio entfernte Dikti-Gebirge samt der recht fruchtbaren, aber nur dünn besiedelten und urwüchsigen Lasithi-Hochebene. Ähnlich authentisch und ländlich präsentiert sich auch das Gemeindegebiet von Viannos, bekannt vor allem für sein erstklassiges Olivenöl werden dank des Klimas hier sogar Bananen angebaut, sehenswert ist zum Beispiel die schroffe Felsenschlucht bei Arvi, die Serpentinen-Bergstraße bei Kato Symi und das Mahnmal des Massakers von Viannos bei Amiras.

Sehr populär für einen Urlaub oder Ausflug sowohl bei griechischen wie auch ausländischen Touristen ist auch die gut 10 000 Einwohnerstadt Agios Nikolaos im südöstlich angrenzenden Regionalbezirk Lasithi am sagenumwobenen und mit dem Meer seit 1870 per künstlichem Kanal verbundenden Voulismeni-See, in dem die Göttin Athene einst gebadet haben soll.

Nicht weit entfernt ist die Spinalonga-Halbinsel, die bis zum Jahr 1957 als eine der letzten Kolonien für Leprakranke in Europa auf Kreta genutzt wurde. Etwas weiter entfernt von der Hauptstadt und dem umliegenden Regionalbezirk, aber aufgrund der landschaftlichen Schönheit und idyllischen Lage sehr zu empfehlen sind auch die Badebuchten Damnoni und Schinaria auf dem Gemeindegebiet von Agios Vasilios im Regionalbezirk Rethymno.

Archäologische und historische Schätze und Stätten im Landesinneren

Gerade die geringen Entfernungen, verhältnismäßig intakten Straßen und der zuverlässige Nahverkehr in der Region Iraklio erlauben auch vielseitige und unterschiedlichste Erkundungen der wahrlich massenhaft vorhandenen archäologischen Ausgrabungsorte, Fundstätten und einstigen antiken Siedlungen, nur 12 Kilometer südlich der Stadt liegt etwa die kleine Stadt Archanes mit ihren gut 4500 Einwohnern, dort können einschlägig Interessierte zum Beispiel den mykenischen Grabbezirk Fourni, den minoischen Tempel von Anemospilia und den Palast im Viertel Tourkogitonia, die antike Öl- und Weinpresse in der Villa von Vathypetro und das damalige Heiligtum auf dem Gipfel des Giouchtas besichtigen.

Nahe der Kleinstadt Festos mit ihren fast 25 000 Einwohnern liegen hingegen die bronzezeitlichen Ruinen der über 8000 m² großen und damit nach Knossos zweitgrößten minoischen Siedlung der Insel. Die Ausgrabungsstätte von Gortyn bei Agii Deka ist wegen des dortigen Odeion und dem in den Stein gehauenen ältesten überlieferten Gesetzestext in Europa sowie die frühchristliche Titus-Basilika aus dem 6. Jahrhundert berühmt.

In den Ortschaften der westlich an Iraklio angrenzenden Gemeinde Malevizi wie Gazi, Achlada, Kalesia, Rodia, Fodele, Krousonas, Korfes, Loutraki, Sarchos, Tylisos, Aidonochori, Damasta, Gonies, Kamari, Kamariotis, Keramoutsi, Marathos und Moni dominieren trotz der geringen Entfernung zur Stadt oft noch hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht den Alltag, dort kann man im Urlaub noch das unverfälschte kretische Leben wie vor einigen Jahrzehnten beobachten. Eine weitere bekannte Ausgrabungsstätte ist die Höhle von Arkalochori, das kleine Dorf Thrapsano etwa 30 Km südöstlich von Iraklio ist wiederum für seine traditionelle minoische Pitharia-Töpferkunst berühmt.

Ein kretisches Kapitel für sich: Die größte minoische Palastanlage Knossos

Das gut 2,2 Hektar große Areal des einstigen Palastes von Knossos liegt nur ca. 5 Km im Süden von Iraklio, bereits seit dem Neolithikum besiedelt und von immer neuen Einwanderern mit neuen Gebäuden bebaut, hatte der damalige Stadtstaat und das vermutlich politische wie religiöse Zentrum der Insel seine Hochzeit im 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung mit bis zu 100 000 Einwohnern.

Bei den im Jahr 1878 begonnenen und immer noch andauernden Ausgrabungen wurden bereits so erstaunlich modern anmutende Ausstattungen wie etwa Sitzbadewannen, Warmwasserheizungen und Wasserspülungen in den Wohnhäusern zutage gefördert, die damals wohl wichtigste Stadt der Insel verfügte auch über großzügig angelegte Lagerhallen, Magazine und Werkstätten sowie ein Theater für bis zu 500 Zuschauer.

Zahlreiche Mythen und Legenden winden sich um die sagenhafte Stadt Knossos, so soll dort der einstige Herrscher und Sohn der Götter Zeus und Europa, König Minos, den Stiermenschen Minotaurus im ersten Labyrinth der Welt gefangen gehalten haben. Knossos ist wohl der mit Abstand international bekannteste Ort auf der Insel, speziell im Frühling und Sommer besuchen Dutzende, wenn nicht Hunderte von interessierten Altertumsforschern und Hobby-Archäologen die weitverzweigte und zum Teil eindrucksvoll rekonstruierte Anlage.

Die Kunstschätze der Hauptstadt: Spaziergänge durch das museale Erbe

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Auch wenn wie bisher geschildert die Sehenswürdigkeiten der ehemaligen hauptstädtischen Präfektur und des aktuellen Regionalbezirks höchstens bis zu 60 oder 70 Kilometer von Iraklion entfernt liegen, und man deren Besichtigung teilweise sogar bequem an nur einem Tag miteinander verbinden kann, eignet sich dieses alte deutsche Sprichwort doch nichtsdestotrotz sehr gut, um die Vielfalt an urbanen Attraktionen angemessen zu würdigen.

Gemäß seiner langen und bewegten Geschichte mit oft wechselnden und aus diversen Kulturkreisen stammenden Herrschern weist Iraklion eine wahre Fülle an architektonischen Kleinoden und mit zahlreichen Artefakten ausgestatteten Museen auf, wer all diese in womöglich nur einer Woche Aufenthalt oder Urlaub zu Gesicht bekommen möchte, wird vermutlich zeitliche Schwierigkeiten bekommen und/oder auf den einen oder anderen Badetag verzichten müssen. Das vielleicht wichtigste Haus am Ort ist das im Jahr 1930 entworfene und aus 20 Sälen bestehende archäologische Museum mit Ausstellungsstücken aus der Zeit zwischen dem 7. Jahrtausend vor bis zum 4. Jahrhundert nach Christus, Schwerpunkt ist natürlich die minoische Kultur, vertreten zum Beispiel durch Sarkophage, Wandmalereien, Kleinkunst und Großplastiken.

An diese immense Zeitspanne direkt anschließend widmet sich das 1953 eröffnete historische Museum der Kunst und Kultur der Insel bis etwa zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, dort finden kunstsinnige Urlauber etwa bedeutende Werke der beiden heimischen Künstler Doménikos Theotokópoulos (El Greco) und Nikos Kazantzakis. Ganz dem Leben und Schaffen des letzgenannten, wohl bekanntesten kretischen Schriftstellers widmet sich das nach diesem benannte Museum im kleinen Dorf Myrtia etwa 15 Kilometer von Iraklion entfernt.

Das naturgeschichtliche Museum der Stadt wurde erst im Jahr 1981 eröffnet, das preisgekrönte Haus ist die erste Adresse für Interessenten an der Flora und Fauna des östlichen Mittelmeerraums. Noch jüngeren Datums (2005), aber genauso der Unterwasserwelt verschrieben ist das Cretaquarium im 15 Kilometer entfernten Gournes, dort werden über 250 Arten in mehr als 60 verschiedenen Aquarien ausgestellt. Die Schlacht um die Insel, die im Verlauf des letzten Weltkriegs von 1941 dort tobte, ist das Thema des städtischen Museums der Schlacht und des nationalen Widerstands, dort finden Anhänger von Militärgeschichte Hunderte von Dokumenten, Zeitungsausschnitten, Waffen, Uniformen und historische Gebrauchsartikel der Epoche.

Eher friedlichen Traditionen fühlt sich das 1992 eröffnete Lychnostatis Freiluftmuseum in Hersonissos verbunden, dort kann man folkloristische Artefakte und altes landwirtschaftliches Gerät wie etwa Wein- und Olivenpressen bewundern. Dem christlichen Glauben und seiner Geschichte auf der Insel wiederum widmet sich die Sammlung Agia Aikaterini, nordöstlich der Sankt Minas Kathedrale kann man Fresken, Altare, Bücher und priesterliche Kleidung besichtigen.

Dem aktuellen und zeitgenössischen lokalen Kunstgeschehen verbunden fühlt sich hingegen das Museum der visuellen und plastischen Künste, dort werden neben wechselnden und dauerhaften Ausstellungen auch kunstpädagogische Seminare, Konzerte, Konferenzen und Vorlesungen veranstaltet.

Karte von Kretas Bezirk Heraklion