Gavdos, eine Insel bei Kreta

Früher Haft für Helden, später Heim der Hippies: Kleine Insel im wilden Meer. Trotz ihrer mit lediglich 33 km² recht geringen Größe nahm die kleine griechische Insel Gavdos vor der Südküste Kretas in der antiken Mythologie eine hervorgehobene Stellung ein. Hier, mitten im noch heute oft vom Wind umtosten Lybischen Meer, soll Homer zufolge die Tochter von Atlas und Meeresnymphe Kalypso den Helden Odysseus über sieben Jahre lang festgehalten haben.

„Wunderbar für ihn“, werden sich hingegen die ersten Rucksacktouristen gedacht haben, die seit Ende der 1970er Jahre über Kreta nach Gavdos pilgerten, blieben sie damals doch selber bevorzugt gleich monatelang auf dem abgeschiedenen, aber landschaftlich wunderschönen Eiland.

Klein, aber fein: Europas südlichster Vorposten ist mittlerweile bequem zu erreichen

Vor 30 Jahren war es auch nicht immer einfach, von Kreta nach Gavdos bzw. von dort auch wieder zurückzukommen. Häufig sorgte wildes Wetter samt Wind und Wellengang dafür, dass der seinerzeit nur spartanisch geschützte Hafen Karave an der Ostküste nicht bedient werden konnte. Mit dem Ausbau ab 2005 wurden solche Unwägbarkeiten jedoch größtenteils beendet, seither verbinden Kreta Gavdos mehrmals wöchentlich Fährschiffe mit Paleochora, Chora Sfakion und Plakias. Kreta und Gadvos sind auch administrativ verbunden, die Insel und ihre aktuell nur ca. 150 Einwohner sind Teil des westlichen Regionalbezirks Chania. Die kleinste Gemeinde Griechenlands Kreta Gavdos mit den Orten Kastri, Sarakiniko, Ambelos, Vatsiana und Metochi hält auch geografisch einen Rekord, befindet sich doch der südlichste Punkt Europas am Kap Tripiti an der äußersten Südspitze.

Große Gärten, weite Wälder, bunte Blumen: Vom trockenen Kreta ins grüne Gavdos

Im Gegensatz zu früheren Aussteigern und Dauerurlaubern dominieren heute jedoch zumeist und mehrheitlich Tagesgäste die Insel Kreta Gavdos, die lediglich gut anderthalb Stunden Fahrt von Kreta nach Gavdos haben diese touristische Tendenz vor Ort natürlich stark gefördert. Ganz gleich jedoch, ob man nur für ein paar Stunden, wenige Tage oder auch mehrere Wochen von Kreta aus Gavdos besucht, das liebenswerte Fleckchen Erde überzeugt die meisten Besucher bereits bei der Anfahrt aus der Ferne. Die größtenteils und großflächig mit mächtigen Kiefern und seltenem See-Wacholder bewaldeten und bewachsenen Sanddünen kann man schon von Weitem und den Fähren aus sehen. Kreta Gavdos präsentiert sich anders als andere griechische Inseln vergleichbarer Ausmaße ausgesprochen grün. Sowohl die in der Regel terrassierten Ackerbauflächen als auch das regional typische unkultivierte Busch- und Strauchwerk „Phrygana“ blühen fast das gesamte Jahr über üppig und verschwenderisch.

Die winzige Felseninsel sollte einmal der größte Containerhafen Europas werden

Recht unterschiedlich zeigt sich jedoch die Vegetation auf der nur 3 km² großen und unbewohnten kleinen Nachbarinsel Gavdopoula („Gavdos’ Töchterchen“) von Kreta Gavdos. Hier beherrschen Gefäßpflanzen, Moosgewächse und Seegraswiesen das Erscheinungsbild, die Weiden werden für dort saisonal grasende Schaf- und Ziegenherden genutzt. Schlagzeilen machte das sonst weitgehend unspektakuläre Gavdopoula jedoch Ende der 1990er Jahre, als dort der Bau des größten Containerumschlagplatzes in Europa geplant war, für den die Insel eingeebnet werden sollte. Heftige Proteste von Naturschützern in Kreta Gavdos verhinderten damals die gigantischen Pläne, inzwischen sind Fauna und Flora vor Ort im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als Schutzgebiet „Natura 2000“ ausgewiesen, um somit auch die Vorkommen von Gelbschnabel-Sturmtauchern, Mittelmeermöwen und Mönchsrobben zu erhalten.

Kreta und Gavdos sind immer trotz Annäherungen noch immer unterschiedlich

Bis heute unterscheiden sich Kreta und Gavdos nicht nur hinsichtlich ihrer Natur, auch der Massentourismus hat die kleine Insel gut 40 Kilometer vor der kretischen Küste trotz der nun besseren Erreichbarkeit noch lange nicht so intensiv im Griff wie manche Region der größeren Schwester. Zwar finden Besucher heute ein ungemein größeres und vielfältigeres touristisches Angebot als vor einigen Dekaden, Tavernen sind zuverlässig und regelmäßig geöffnet und es gibt zahlreiche Zimmer mit fließendem Wasser, ein wenig vom Charme vergangener Tage hat sich Gavdos aber durchaus erhalten können. Während sich etwa die Strände von Sarakiniko und Korfos kaum noch von denen auf Kreta oder denjenigen im Rest Griechenlands unterscheiden lassen, genießt der Strand von Agios Ioannis besonders unter jungen Griechen einen guten Ruf als Alternative zu kommerziellen Varianten. Alljährlich im August treffen sich hier Tausende und versuchen, die einstige Aussteigeratmosphäre wieder ein wenig aufleben zu lassen.

Die Karte von Gavdos