Chrisse, eine Insel bei Kreta

Eine der attraktivsten unbewohnten, zu Kreta gehörenden Inseln ist Chrisse. Sie liegt etwa 15 Kilometer südlich des Küstenstädtchens Ierapetra, dessen Bewohner das Eiland gern auch als „Eselsinsel" bezeichnen. Während der von Mitte Mai bis Ende Oktober andauernden Saison verkehrt zwischen Ierapetra auf Kreta und Chrisse täglich meist mehrmals ein Ausflugsschiff, das Einheimischen und Touristen den Besuch der Insel ermöglicht.

Die Überfahrt dauert je nach Schiff zwischen 25 und 50 Minuten und endet in Chrisse an einer kleinen Anlagestelle in einer lang gezogenen Bucht an der Nordküste.

Chrisse ist eine sehr flache Insel ohne eigenes Wasservorkommen und besteht größtenteils aus weißem Kalksandstein. Die Küstenregion der knapp 10 km² großen Insel ist mit Dünen und langen goldgelben Sandstränden bedeckt. Von der an ihrer Ostseite befindlichen höchsten Erhebung aus bietet sich eine beeindruckende Aussicht über die ganze Insel, zur benachbarten Felseninsel Mikronisi und bis hin zur Ostspitze von Kreta.
Neben ihren schönen Stränden besitzt die Insel einen relativ großen Bestand an phönizischem Wacholder, der auch als Zeder bekannt ist. Die Bäume haben ein Alter von 200 bis 300 Jahren und reichen etwa 7 bis maximal 10 Meter in die Höhe. Deren Einmaligkeit für ganz Europa hat mit dazu geführt, dass diese vor Kreta liegende Insel zu den von der Europäischen Union besonders geschützten Gebieten erklärt wurde.

Obwohl heute unbewohnt, kann Chrisse auf eine von Menschen geprägte Vergangenheit zurückblicken. Davon zeugen einige Überreste von einfachen Häusern, Reste eines alten Hafens, Relikte einer alten Salzgewinnungsanlage und einige Funde sowie Ruinen, die aus der bronzezeitlichen Kultur Kretas stammen. Außerdem diente die Insel den Einwohnern Ierapetras als Fluchtort bei Kriegen und den auf der Lybischen See ihr Unwesen treibenden Piraten als Unterschlupf.

Heute befindet sich in der Nähe der Anlegestelle der von Kreta kommenden Ausflugsschiffe eine hübsche Taverne, die neben Essen und Trinken auch das Ausleihen von Liegen und Sonnenschirmen ermöglicht. Von hier aus führt ein Weg ins Inselinnere, auf dem nach etwa 500 Metern die kleine, weiß getünchte Kapelle des heiligen Nikolaos erreicht werden kann. Sie beherbergt im Inneren eine kleine Altarwand mit einigen sehenswerten Gemälden.
In südlicher Richtung führt ein Pfad zum Südstrand der Insel, während in Richtung Norden ein Weg zu der, einen schönen Muschelstrand bietenden Belgrina Bucht führt.
Beim Erkunden der Insel sollten die Besucher von Chrisse immer daran denken, die strengen Regeln des Naturschutzes zu beachten. Dazu gehört auch das Verbot, sich abseits der gekennzeichneten Wege zu bewegen und Pflanzen, Muscheln oder Fossilien zu sammeln.

Schließlich gehört zur Natur einer Insel auch das sie umgebende Wasser. Das Mittelmeer zeigt sich hier zwischen Kreta und der libyschen Küste besonders klar und in einer dunkelblau schimmernden Färbung. Rund um Chrisse ist es kaum tiefer als etwa 10 Meter. Damit bietet es sich zu erlebnisreichen Tauchgängen aber auch zum Schnorcheln an. Sehr artenreich zeigen dabei die farbenfrohen Korallen, die auf dem vulkanischen Felsgestein vor der Küste der Insel ihre volle Pracht entfalten.

Die Karte von Chrisse