Agios Efstratios

Angeregt und neugierig geworden durch die Erzählungen eines Freundes erwählte ich die kleine Vulkaninsel Aghios Efstratios als einen der Orte, an denen ich meinen Urlaub in Griechenland verbringen wollte. So erlebte ich vier Tage auf einem an sich kargen und steinigen Eiland in der nördlichen Ägäis, die ich im Nachhinein jedoch keinesfalls missen möchte.

Die eine Länge von 11 und eine maximale Breite von 6 Kilometern aufweisende Insel, die nach einem einst hier lebenden Heiligen benannt ist, liegt etwa 30 Kilometer südlich der Insel Limnos. Diese ist bequem mit einem Inlandflug von Athen aus erreichbar. Vom dortigen Hafen Mirina verkehrt nach Aghios Efstratios täglich mindestens eine Fähre, die das Ziel in 2,5 bis 3 Stunden erreicht und auch einige Autos mitnimmt.

Bewohnt wird die Insel von etwa 300 Personen, die zivilisationsmüden Urlaubern etwa 70 Betten zur Unterkunft anbieten. Die Einwohner leben überwiegend vom Fischfang und Tourismus. Einige betreiben auf den kargen Böden eine kleine Landwirtschaft, die sich vor allem auf die Haltung einiger Ziegen, Schafe oder Kühe konzentriert. Lebensgrundlage für alle Inselbewohner ist das Wasser führende Tal im nördlichen Teil der Insel, in dem sich auch der kleine Hafen und der einzige bewohnte Ort der Insel befinden.

Die Geschichte der Besiedlung der Insel Aghios Efstratios reicht bis in die vorchristlich mykenische Zeit zurück. Später folgten die Byzantiner, die die Insel als Folge ständiger Piratenüberfälle im 15. Jahrhundert verließen.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts diente das Eiland als Verbannungsort und Gefängnisinsel für vor allem politische Häftlinge, die hier unter schwierigsten Bedingungen ihr Leben selbst organisieren mussten. Als deren Leidenszeit im Jahr 1963 ihr Ende fand, folgte fünf Jahre später ein verheerendes Erdbeben, das sowohl den Hafen als auch den Hauptort der Insel stark zerstörte. Beide wurden nach ihrer Zerstörung wieder errichtet, wobei der Ort im Nordwesten der Insel an einem etwas höher gelegenen Standort neu erbaut wurde. In einem dieser weißen Häuser mit rotem Dach fand ich für die Tage meines Urlaubs auf Aghios Efstratios mein Domizil und durfte die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der hier lebenden Menschen in Anspruch nehmen.

Noch vor meiner Ankunft konnte ich von der Fähre aus einige schöne Fotos vom Hafen, in dem zahlreiche Fischerboote ankern und dem etwas höher gelegenen Ort Aghios Efstratios machen. Dessen weiße Häuser schmiegen sich halbkreisförmig an den Hang des hinter der Hafenbucht befindlichen Hügels. Ein in Betonmauern gezwängtes, zum Meer weisendes Flussbett teilt den Ort in zwei Hälften.

Ein erster Streifzug durch den Ort führte mich vorüber an typischen griechischen Häusern mit hübschen Vorgärten hin zur Taverne „Artemonas". Sie ist bezogen auf die wenigen Einwohner recht geräumig und verfügt über eine großflächige Freiterrasse. Als Fremder wird man aufmerksam bedient und bekommt öfters mal ein Getränk von einem anwesenden Griechen ganz unverhofft spendiert.

Neben der Taverne befinden sich einige kleinere Geschäfte, die man erst auf den zweiten Blick als solche erkennt. Gegenüber der Kirche entdecke ich eine Art Schnellimbiss und eine winzige Konditorei. Erst vor Kurzem entstanden im Ort ein Kinderspielplatz und eine Tankstelle, die allerdings wegen fehlender Autos und dem abwesenden Betreiber nur in den Abendstunden geöffnet ist. Über dem Ort liegt der alte Friedhof.
Das kleine Heimatmuseum habe ich erst in den folgenden Tagen besucht, wobei ich mich dabei über die Folgen des Erdbebens von 1968 informieren konnte.

Schließlich weist ein am Ortsausgang befindliches Hinweisschild auf Orte hin, an denen attraktive Strände zu finden sind.
Damit scheint der Zeitpunkt gekommen, die Orte vorzustellen, an denen der eine oder andere Strand der Insel zu finden ist. Voraus zu schicken ist dabei, das die Insel nur über wenige geteerte Straßen und Schotterstraßen im Inselinneren verfügt und so mancher Küstenabschnitt nur zu Fuß erreichbar ist.

Etwa 4 Kilometer südlich des Hafens wartet der mit Kieselsteinen belegte Strand Antonios auf Badegäste, die hier unter einigen kleinen Eichenbäumen auch etwas Schatten finden können. Noch ein paar Hundert Meter weiter südlich liegt ebenfalls an der Westküste der Strand Dimitrios, der mit feinem, hellem Sand und größeren Eichen als Schattenspender als beliebtester Strand der Insel gilt. An allen Stränden der Westküste, die jederzeit auch mit dem Kaiki, einem typisch griechischen Holzboot erreichbar sind, gilt das Erlebnis eines Sonnenuntergangs zu den Höhepunkten eines Inselaufenthalts.

Ein längerer und ebenfalls schöner Dünenstrand befindet sich mit dem Strand von Alonitsi im Nordosten von Aghios Efstratios. An ihn bin ich zu Fuß in etwa einer Stunde über einen am östlichen Ortsrand beginnenden Fußweg gelangt.

Die Küsten im südlichen Teil der Insel zeigen sich überwiegend sehr steil und felsig und sind von Grotten und Klippen durchsetzt. Mich interessierte vor allem auch die Landschaft im Inselinneren, in der sich mehrere Hügel auf etwa 300 Meter Höhe erheben. Auf einer der Anhöhen steht ein einsamer Sendemast. Verstreut sind einzelne weiße Häuser zu entdecken. Einige Pfade zweigen ab in Richtung der Küste, während eine von Eichen bewachsene Anhöhe etwa das Zentrum der Insel kennzeichnet. Einige der an Buchten und Strände führenden Pfade führen an kleinen Kapellen vorüber. Nach einer derartigen Erkundungstour schmeckt ein am Abend in der Taverne am Hafen verspeistes leckeres Fischgericht besonders gut.

Als Fazit bleibt am Ende des viertägigen, auf Aghios Efstratios verbrachten Urlaubs die Erkenntnis, eine kleine griechische Insel entdeckt zu haben, die so gar nicht ins Bild üppiger, grüner Inseln wie Limnos, Samos oder Kreta passt. Dafür entschädigt ein Urlaub auf Aghios Efstratios mit einer herben Landschaft, freundlichen Menschen und viel, viel Ruhe und Gelassenheit.

 

Karte & Lage

Diese Seite zeigt Ihnen eine Karte von Agios Efstratios. Auf der Karte von Agios Efstratios finden sie alle Hauptorte und Strände. Wenn Sie nähere Einzelheiten sehen wollen, können sie in die Karte weiter hineinzoomen.